Stop – Karte

Willkommen auf der Ergänzungsseite zur Stop-Karte. Zu jedem Punkt der Karte finden Sie hier Ergänzungen. Sie brauchen sie sich nicht aktiv zu merken. Nach dem aufmerksamen Lesen dieser Seite wird Ihnen Ihr Gehirn beim Benutzen der Karte die Ergänzungen, die es für relevant hält, in Erinnerung rufen.

Wozu ist die Karte gut? Sie hilft Ihnen, sich auch in stressigen (Konflikt-) Situationen ruhiger und sicherer zu fühlen. Menschen, die sich ruhig und sicher fühlen, denken, sagen und machen weniger Ungünstiges. Ja, tendenziell sogar Günstiges, also sich selbst und anderen Zuträgliches.

Wie wird die Karte angewendet? Zücken Sie die grüne Karte, wenn Sie merken, dass Sie kaum noch Dame/Herr der Lage sind. Halten Sie sie so zwischen sich (wenn Sie in einem Gespräch/Konflikt sind) oder vor sich (wenn Sie vielleicht auch einfach so mal darauf schauen wollen), dass Sie den Kartentext entspannt lesen können. Wenn Sie mutig sind, schauen Sie nach dem Lesen dem Menschen Ihnen gegenüber in die Augen.

(Durchatmen.)
Es klingt so leicht und es kann doch so schwer sein, im trubeligen Alltag täglich mehrmals daran zu denken: ruhig einatmen, ruhig ausatmen. Ein kleiner Atemzug kann ein großer Schritt sein, Zeit zu gewinnen und sich weniger vom Alltagsgeschehen fremdsteuern zu lassen. Das Atmen öffnet ein Zeitfenster: “Mache/denke/sage ich gerade wirklich, was ich selbst möchte?”. Warum die Zeit gerade bei Konflikten so wichtig ist, steht weiter unten. Wenn Sie häufiger ruhig durchatmen möchten, suchen Sie sich einen Anker. Atmen Sie z. B. einmal tief durch, wenn Sie eine Tür öffnen, Ihr Handy in die Hand nehmen, aufstehen, oder ein Glas Wasser eingießen.

Ich bin ein Mensch.
Womöglich rasen Ihre Gedanken gerade, und Ihr Gehirn sucht nach Halt. An wahren Aussagen kann es sich gut festhalten. Es ist wahr, dass Sie ein Mensch sind. Bonus: es ist auch wahr, dass IhrE (Konflikt-/Gesprächs-) PartnerIn ein Mensch ist. Auch wenn Sie sie oder ihn vielleicht manchmal lieber als “Unmensch” bezeichnen: die genetische Ähnlichkeit und das äußere Erscheinungsbild (Kopf, Hände, Füße usw.) sind starke Anzeichen, dass Sie beide Menschen sind. Damit ist ein Grundstein für Empathie und Perspektivwechsel gelegt. Natürlich möchte Ihr Gehirn in diesem Stadium noch nichts davon hören. Das ist ok! Das Gehirn im Kopf gegenüber auch nicht. Noch nicht. In ein paar Sekunden oder Minuten kann das bei Ihnen beiden schon anders sein.

Ich habe ein Gehirn.
Richtig, Sie “haben” ein Gehirn. Sie “sind” nicht Ihr Gehirn. Sie sind der/die ChefIn! Bis zu einem gewissen Grad können Sie entscheiden, was Sie denken. Sie haben auch weitere Körperteile. Sie fänden es vermutlich bedenklich, wenn Sie sich mit einer Hand den ganzen Tag selbst ohrfeigen würden. Und doch verteilen viele Menschen in ihren Gehirnen den ganzen Tag Ohrfeigen – an sich selbst und/oder an andere Menschen. Lassen Sie Ihrem Gehirn Zeit, aber machen Sie sich auch klar, dass Sie oft eine Wahl haben, woran Sie wieviel denken, und wie (positiv, negativ, wertfrei/aufmerksam/neugierig/beobachtend).

Mein Gehirn braucht Zeit und Energie, um mich zu beruhigen.
Mit wenig Sauerstoff und wenig Glukose fährt Ihr Gehirn in eine Art Energiesparmodus. Das bedeutet, es geht ab in die steinzeitlich geprägten, inneren Gehirnteile, die mit sehr wenig Energie auskommen. Das bedeutet, die modernen, sozialen, äußeren Gehirnteile werden heruntergefahren. Schade! Denn um gut mit anderen Menschen auszukommen, brauchen wir die modernen Gehirnteile wie den Frontallappen. Ansonsten heißt es “fressen oder gefressen werden”, Angriff, Verteidigung oder Schockstarre/Einfrieren. Und wann hatten Sie das letzte Mal ein gutes Gespräch mit jemandem, der Sie gerade angegriffen hat, die sich gerade verteidigt hat, oder der erstarrt war? Geben Sie Ihrem Gehirn Zeit, von den inneren wieder auf die äußeren, energiehungrigen Gehirnteile umzuschalten, aus der Da-könnte-ein-Tiger-sein-Steinzeit wieder in die Wir-sprechen-miteinander-Moderne zu gelangen. Und geben Sie ihrem Gehirn die Energie, die es dazu braucht. Frische Luft atmen, Wasser trinken, essen, bewegen, ausruhen, schlafen ist gut für Sie – und damit auch gut für die Menschen um Sie herum.

Ich möchte Sicherheit, Dazugehören, Anerkennung und Freude.
Die psychologische Forschung nennt mal mehr, mal weniger Grundbedürfnisse. Diese Vier – eventuell anders formuliert – sind meist die Basis. Horchen Sie in sich selbst hinein: ist es Ihnen wichtig, vor körperlichen und psychischen Gefahren geschützt zu sein? Möchten Sie Teil einer Gruppe sein, um z. B. von dieser Gruppe unterstützt zu werden, wenn Sie Hilfe benötigen? Möchten Sie “gesehen werden” und freuen Sie sich, wenn Sie Bestätigung erfahren, dass Sie als Mensch “schon ganz ok” sind? Tun Sie gerne, worauf Sie Lust haben, und vermeiden Sie gerne, worauf Sie keine Lust haben? Die psychologischen Begriffe “Lustbefriedigung” und “Unlustvermeidung” habe ich für die Karte als “Freude” zusammengefasst; vielleicht nicht ganz astrein, aber die Karte sollte klein genug werden, um in Ihr Portemonnaie zu passen :-).

Genau wie Du.
Ja gibt’s denn das? Sollte am Ende dieser Mensch, mit dem ich mich gerade so trefflich zoffe, gar kein so schreckliches Monster, kein so unfähiger Volltrottel, keine so niederträchtige Intrigantin sein wie ich eben noch dachte, sondern ein Mensch genau wie ich? Mit denselben Grundbedürfnissen? Und sich womöglich mit Unsicherheit genauso unwohl fühlen wie ich, und sich deswegen manchmal sehr ungünstig verhalten? Und sich in Sicherheit entspannen? Und… das darf doch wohl wahr sein… beim Lesen der Rückseite der Karte, die ich gerade zwischen uns halte, gerade am selben Punkt ankommen und feststellen, dass wir beide uns sehr ähnlich sind? Im beidseitigen Bewusstsein der Ähnlichkeit lassen sich Unterschiede viel entspannter besprechen. Vielleicht sogar gemeinsam darüber lachen, was unsere Gehirne mit uns machen.