Grundlagen

Was ist Coaching?

Die Unterstützung bei der Bewältigung einer als herausfordernd erlebten Situation. “Hilfe zur Selbsthilfe”, individuelles Training zur Aufgabenlösung.

In diesem Kontext hat “Coach” eine ähnliche, aber nicht die gleiche Bedeutung wie die englische Übersetzung des ursprünglichen Wortes (Kutsche, Waggon, Reisebus): der Coach soll die Klienten zwar ins Ziel bringen, aber nicht indem er sie trägt, sondern sie darin unterstützt, selbst zu gehen, zu laufen, zu fahren, zu fliegen bzw. allgemein gesagt selbst ans Ziel zu gelangen.

Eine von vielen ausführlicheren Beschreibungen bietet der Deutsche Bundesverband Coaching e.V. (DBVC).

Was ist Mediation?

Eine strukturierte Vermittlung zwischen zwei freiwillig teilnehmenden Konfliktparteien.

Die meisten der verschiedenen Mediationsarten/-stile sind eher sachbezogen. Der transformative Stil eines SocialMediators bindet die Gefühle und damit die tatsächlichen Beweggründe stärker mit ein, was zu nachhaltigen Lösungen beiträgt. Im Idealfall entsteht so aus einem Streit eine Win-Win-Situation.

Laut Mediationsgesetz von 2012: “Mediation ist ein vertrauliches und strukturiertes Verfahren, bei dem Parteien mithilfe eines oder mehrerer Mediatoren freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche Beilegung ihres Konflikts anstreben.”

Der Bundesverband Mediation (BM) bietet ein etwa dreiminütiges Erklärvideo.


Sowohl für das Coaching als auch zur Mediation bietet die Gewaltfreie Kommunikation eine hervorragende Grundlage für klare, leichte Lösungen und deren nachhaltige Umsetzung.

Gewaltfreie Kommunikation (GFK)

Die Bedürfnisse und Gefühle Anderer und der eigenen Person zu berücksichtigen, auszusprechen und anzuhören ist der zentrale Punkt in der vom Psychologen Dr. Marshall B. Rosenberg (1934-2015) entwickelten “gewaltfreien Kommunikation” (GFK, englisch non-violent communication, NVC). Häufig führt der Titel zu Nachfragen oder Scherzen, und “bedürfnisorientierte” oder “lebendige” Kommunikation klingen tendenziell nur für die Menschen eindeutiger, die die GFK bereits kennen. In der Diskussion über den Titel lässt sich direkt ein wichtiger Teil der GFK üben, nämlich möglichst wenig zu bewerten (“Das ist doch ein blöder Titel!”) und stattdessen zu beobachten (“Unter dem Titel verstehen verschiedene Menschen verschiedene Sachen” bzw. “Es gibt häufig Rückfragen zum Titel” und noch genauer “In vier von fünf Erstkontakten mit dem Titel gibt es Rückfragen”).

Das Ziel der GFK ist sowohl höhere Wertschätzung der Beteiligten wie auch “das zu bekommen, was man braucht”. Der Unterschied zu “das, was man will” ist wichtig, da es dasselbe sein kann, aber nicht muss. Was Menschen brauchen ist allgemeingültig, die Grundbedürfnisse sind für alle gleich (z. B. Nahrung, Aufmerksamkeit). Die in der GFK so genannten Strategien zur Erfüllung hingegen sind sehr vielfältig und individuell. Streit bzw. Konflikte entstehen über die unterschiedlichen Strategien, nicht weil die Bedürfnisse unterschiedlich wären.

Ein Beispiel: Kollege A schließt stets die Bürotüre. Kollege B deutet dies als unsozial. Kollege A hat ein Bedürfnis nach Ruhe, seine Strategie zur Erfüllung ist das Türschließen. Kollege B trägt als Strategie zur Ruhe lieber Geräuschunterdrückungskopfhörer, die wiederum Kollege A “affig” findet, auch weil er vermutet, dass Kollege B dauernd Musik darin hört. Ob jetzt Türschließen oder Kopfhörer die “bessere” Strategie darstellt? Darüber lässt sich trefflich streiten, und “besser” lässt sich nur aus den persönlichen Anforderungen beantworten. Das Bedürfnis “Ruhe” haben allerdings beide Kollegen gleichermaßen, und es ist gut möglich, dass sie sich nach einem offenen Austausch über das gemeinsame Bedürfnis wohlwollender begegnen und besser zusammenarbeiten.

Sowohl in geschäftlichen wie in privaten Konflikten ist die Sachebene meist der vordergründige Faktor und die Gefühlsebene das, wo wirklich “die Musik spielt”. Ein Beispiel: der Projektleiter, dem es um die Anerkennung durch die Geschäftsleitung geht, hat sich vorschnell zu Lieferterminaussagen hinreißen lassen und will davon nun nicht abweichen; stattdessen erfindet er nicht tragfähige Sachargumente, wieso der Liefertermin realistisch sei. Offen kommuniziert kann jedes Teammitglied die Position verstehen (auch im Team möchte niemand “sein Gesicht verlieren”) und es lässt sich eine für alle annehmbare Lösung finden. Ohne entsprechende Kommunikation verliert der Projektleiter erst die Anerkennung des Teams (da er Scheinargumente angibt) und danach die der Geschäftsleitung (da das in Diskussionen verwickelte Team nicht rechtzeitig fertig wird).

Noch ein Beispiel: die Tochter, die von ihren Freundinnen mit dem Sportwagen der Mutter Aufmerksamkeit bekommen möchte, versucht die Eltern mit Sachargumenten zu überzeugen, wieso es besser sei, wenn sie heute mit dem Sportwagen zur Schule fährt – das sei sicherer, da die Bremsen stärker sind. Sachlich kann das eine endlose, unangenehme Diskussion werden. Lebendig kommuniziert können die Eltern das Bedürfnis der Tochter nachvollziehen, weil sie es selbst kennen und auch gerne Aufmerksamkeit bekommen, und eine für alle angenehme Lösung ist leichter greifbar (nach der Schule noch das Altglas mit dem Sportwagen wegbringen; erfüllt die Bedürfnisse nach Leichtigkeit und Ruhe bei den Eltern; Win-Win).

Eine Aussprache gemäß GFK beginnt mit vier Schritten:

  1. Meine Beobachtung
  2. Mein Gefühl
  3. Mein Bedürfnis
  4. Meine Bitte

Empathisch für sein Gegenüber zu sein, sowohl beim Sprechen wie beim Zuhören, ist entscheidend für das Gelingen. Ohne Empathie wird oft eine der drei Gefahren-Reaktionen “Angriff, Flucht, Schockstarre” ausgelöst. Mit Empathie können auch schwierige Gespräche zur beidseitigen Zufriedenheit gelingen.

Um auf die beiden Kollegen im obigen Tür-und-Kopfhörer-Beispiel zurückzukommen, könnte der Kopfhörer-Kollege wie folgt auf seinen Kollegen zugehen:

  1. “Du hast die letzten fünf Tage in 9 von 10 Fällen, wenn Du in Dein Büro gegangen bist, die Türe hinter Dir geschlossen.” (Eine Beobachtung, sachlich, nachvollziehbar und überprüfbar, ohne Interpretation, ohne Bewertung.)
  2. “Ich bin angespannt wenn Du so häufig hinter der geschlossenen Türe sitzt…” (Ein Gefühl, als Ich-Botschaft formuliert, ohne Unterstellung, ohne Vorwurf.)
  3. “…denn Kontakt ist mir wichtig, und ich schätze unseren Austausch.” (Ein Bedürfnis, mit der Betonung, was dem Sprecher wichtig ist, wieder ohne Vorwurf, nur beschreibend.)
  4. “Würdest Du mir bitte beschreiben, wie Du die Situation siehst?” (Eine Kontaktbitte) oder “Bist Du einverstanden, nachmittags die Türe offen zu lassen?” (Eine Handlungsbitte)

Wichtig ist dabei, dass es sich um eine echte Bitte handelt (es ist ok, wenn die Gefragte ablehnt) und nicht um eine als Bitte getarnte Forderung (es ist nicht ok, wenn die Gefragte ablehnt).

Ganz besonders bei der Konfliktvermittlung und Mediation erleichtert die GFK die Lösungsfindung. Das beidseitige Aussprechen und Hören der Gefühle und Bedürfnisse bzw. Beweggründe schafft eine wertschätzende Atmosphäre, in der teils erstaunlich einfache Lösungen gefunden werden. Und die GFK trägt auch im Coaching dazu bei, Klarheit zu gewinnen und sich nicht in Strategien zu verirren, sondern auf das zu fokussieren, was wirklich zählt.

Schon die Information darüber, was es mit den Gefühlen und Bedürfnissen “auf sich hat”, kann Verbesserungen wie z. B. einen verständnisvolleren Umgang miteinander in Gang setzen. Und wie so oft: Übung macht den Meister. Ich berate Sie gerne, welche Art von Schulung/Training für Sie passen könnte, und wie Sie die Verbesserungen daraus in Ihrem Alltag verankern können.

Literatur: Nonviolent Communication – A Language of Life, Marshall B. Rosenberg, PuddleDancer Press, ISBN 9781892005281 (englisches Original)